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40 Jahre Gleichbehandlungsgesetz: Menschenrechte für alle!?
 

„Das Gleichbehandlungsgesetz für die Privatwirtschaft feiert 2019 sein 40-jähriges Jubiläum“, berichtet Sandra Konstatzky, Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft. „Bereits seit 1979 gibt es in Österreich ein Gleichbehandlungsgesetz.“

Die erste Fassung dieses Gesetzes hatte zum Ziel Lohnungleichheiten zwischen Frauen und Männern zu beseitigen. Verdient eine Frau für eine gleichwertige Arbeit weniger als ihr Kollege, kann sie sich rechtlich dagegen zur Wehr setzen. In der Beratungspraxis der Gleichbehandlungsanwaltschaft sind Fälle von Diskriminierung beim Lohn keine Seltenheit. Was Sie tun können, wenn sie sich beim Entgelt diskriminiert fühlen, lesen Sie hier: https://www.gleichbehandlungsanwaltschaft.gv.at/beratung-und-unterstutzung

In den 1980er und 1990er Jahren wurde das Gleichbehandlungsgesetz mehrfach novelliert. Heute gibt es nicht mehr nur ein Diskriminierungsverbot beim Entgelt, sondern reicht das Gleichbehandlungsgebot von der Bewerbungsphase bis zur Beendigung eines Arbeitsverhältnisses. Darüber hinaus gilt das Diskriminierungsverbot auch bei der Berufsberatung, Berufsausbildung, Umschulung und bei selbständiger Tätigkeit also umfassend für die gesamte Arbeitswelt.

Wichtige Änderungen erfolgten 2004 mit der Erweiterung des Diskriminierungsschutzes in der Arbeitswelt um die Gründe: ethnische Zugehörigkeit, Religion, Weltanschauung, Alter und sexuelle Orientierung. Auch in anderen Lebensbereichen wurde der Diskriminierungsschutz gestärkt. So gibt es jetzt beispielsweise Rechtsschutz, wenn es bei der Inanspruchnahme von Dienstleistungen zu sexueller Belästigung kommt oder der Einlass in ein Lokal aus rassistischen Gründen verweigert wird. Hier ist auch besonders auf das Diskriminierungsverbot beim Zugang zu Wohnraum zu verweisen. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft hat zu diesem Thema eine aktuelle Empfehlung verfasst. Bis heute fehlt leider ein einheitlicher Schutz vor Diskriminierung für alle Gründe.

Der Schutz vor Diskriminierung ist ein Menschenrecht und hat für viele Menschen ganz praktische und relevante Auswirkungen. Der Schutz vor sexueller Belästigung, die Ausbildungschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, gleiche Rechte für Homosexuelle - all das sind Themen, die in der Gesellschaft und damit auch bei rechtlichen Regelungen an Bedeutung gewinnen.

Die Beratungspraxis der Gleichbehandlungsanwaltschaft zeigt, dass die Regelungen des Gleichbehandlungsgesetzes nach 40 Jahren immer noch wichtig und aktuell sind. „Die Gleichbehandlungsanwaltschaft berät auch präventiv und bietet Workshops an. Wir freuen uns, dass dieses Angebot von Arbeitgeber_innen und anderen Verantwortungsträger_innen vermehrt genutzt wird“, so Sandra Konstatzky.