Wir verwenden technisch erforderliche Cookies zur Sitzungssteuerung. Erfahren Sie mehr. Durch Fortfahren auf unserer Website stimmen Sie dieser Verwendung zu.

Kollege ignoriert das „Nein“ der Kollegin: Vorgesetzte nehmen ihre Fürsorgepflicht rasch wahr Fall des Monats Dezember 2021

Vorfall und Unterstützung

Frau T ist Lehrling, sehr zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz und versteht sich gut mit ihren Kolleg:innen – darunter auch Herr E. Weil sie mit ihm einen freundschaftlichen Umgang pflegt, vereinbart sie ein gemeinsames Treffen nach der Arbeit. Frau T besucht Herrn E zuhause, zu Beginn plaudern sie, es wird spät und Frau T müde. Sie schläft am Sofa ein, als sie aufwacht, hat sich die Situation plötzlich verändert. Herr E bedrängt Frau T und nötigt sie zu sexuellen Handlungen. Frau T fühlt sich nicht in der Lage, sich zu wehren. Es gelingt ihr nicht, sich aus der Situation zu befreien.

Frau T will den Vorfall bestmöglich verdrängen. Sie zieht ihren Vorgesetzten ins Vertrauen und wendet sich an die GAW. Diese klärt sie über die rechtlichen Möglichkeiten auf und fordert den Arbeitgeber auf, Handlungen zu setzen, die weitere Belästigungen verhindern. Der Vorgesetzte nimmt seine Fürsorgepflicht rasch wahr: Er sucht ein Gespräch mit dem Herrn E, der zugibt, Frau Ts „Nein“ ignoriert zu haben. Für das Unternehmen ist das der entscheidende Punkt – Herrn Es Dienstverhältnis wird aufgelöst.

Rechtliche Hintergründe

Diskriminierung aufgrund des Geschlechts

Sexuelle Belästigung in Zusammenhang mit einem Arbeitsverhältnis ist eine Form von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und nach dem Gleichbehandlungsgesetz (GlBG) verboten. Eine sexuelle Belästigung liegt vor, wenn ein würdeverletztendes Verhalten gesetzt wird, das der sexuellen Sphäre zuzuordnen ist, für die betroffene Person unerwünscht, unangebracht oder anstößig ist und eine einschüchternde, feinselige oder demütigende Arbeitsumwelt schafft (§ 6 GlBG). Die Erscheinungsformen sexueller Belästigung nach dem GlBG sind vielfältig. Sie reichen von anzüglichen Bemerkungen über das Aussehen, unerwünschten Einladungen mit eindeutiger Absicht bis hin zu Körperberührungen, sexueller Nötigung und Vergewaltigung.

Abhilfeverpflichtung

Im Fall einer (sexuellen) Belästigung trifft Arbeitgeber:innen die Verpflichtung, angemessene Abhilfe zu schaffen, um weitere Belästigungen zu verhindern. Es muss für die betroffene Person ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld ohne Verschlechterungen als Reaktion auf die Beschwerde (§ 13 GlBG) geschaffen werden. Sich zu überlegen, welche Maßnahmen erforderlich sind, um dieses Umfeld zu schaffen, ist Aufgabe der Arbeitgeber:innen. Dabei ist nicht entscheidend, ob die betroffene Person eine Abhilfemaßnahme wünscht. Kommt das Unternehmen seiner Abhilfeverpflichtung nicht nach, macht es sich schadenersatzpflichtig.

In diesem Fall ist Frau T als Lehrling im Unternehmen beschäftigt. Jugendliche (Lehrlinge) sind besonders schutzbedürftig, sodass beim Schutz minderjähriger Arbeitnehmer:innen die Fürsorgepflicht des:der Arbeitgeber:in besonders ernst zu nehmen ist.

Fazit

Sexuelle Belästigung ist verboten: Sie betrifft alle Altersstufen und Gesellschaftsschichten und stellt die größte Fallgruppe in der Beratung der GAW dar. In diesem Fall setzt sich die mutige junge Frau in einer schwierigen Situation zur Wehr und schafft es so, ihre Arbeitssituation zu verbessern und ihr Recht durchzusetzen.

Arbeitgeber:innen trifft eine Abhilfeverpflichtung, wenn sie von der Belästigung wissen. Die GAW veranstaltet Schulungen und bietet Informationsmaterial (Leitfaden (PDF, 184 KB) an, um Unternehmen und sonstige Verantwortungsträger:innen darüber aufzuklären,

  • wo sexuelle Belästigung beginnt,
  • was Betroffene und Zeug:innen tun können und
  • wie Unternehmen ihre Verantwortung am besten wahrnehmen können.

Auch im Rahmen der GAW-Ausstellung „Jetzt im Recht! Wege zur Gleichbehandlung“ im Volkskundemuseum findet ein Workshop über die Abhilfeverpflichtung statt: #metoo – Abhilfe im Fall sexueller Belästigung. Der Workshop klärt über die Rechtslage auf und nimmt Abhilfemaßnahmen sowie Strategien zur Prävention in den Fokus. Gemeinsam wird anhand von Fällen aus der Praxis ein Verständnis dafür erarbeitet, dass es bei sexueller Belästigung keine Grauzonen gibt.

Weiterführende Links: